ROTWEINE

Die Wein kultur Portugals ist geprägt von der mitunter bewegten Geschichte des Landes und lässt sich nicht davon losgelöst betrachten. Ebensowenig umgekehrt, ist doch der Wein ein selbstverständlicher Teil der eher gemächlichen portugiesischen Lebensart. Die Portugiesen selbst scheinen manchmal die Zugehörigkeit zu ihrer Herkunftsregion stärker zu fühlen als die Gemeinsamkeit der Staatsbürgerschaft, obwohl sie gerade im Ausland ein ausgeprägtes Heimatgefühl entwickeln.

 

Der Regionalstolz zeigt sich auch beim Wein-Rohmaterial: Portugal kennt um die neunhundert Traubensorten, oder präziser, neunhundert Traubennamen. Sie stehen vielfach für die gleiche Sorte: Castelão Francês, Periquita, João de Santarém, Mortágua und Trincadeira sind Synonyme einer Rebe.

Die Trincadeira des Nordens ist jedoch eine eindeutig andere Sorte als die Trincadeira des Südens.

Wer sich bisher ausschliesslich mit dem Burgund oder Bordelais befasst hat, dürfte beim Lesen der auf der Konteretikette sorgfältig aufgeführten Rebsorten schon einmal in Ratlosigkeit verfallen.

Cabernet Sauvignon, Merlot und Chardonnay sind selten darunter, sie spielen in Portugal eine untergeordnete Rolle. Die Firma José Maria da Fonseca hat schon im letzten Jahrhundert Versuchsrebberge mit den gängigen europäischen Rebsorten angelegt, um sich dann doch auf die einheimischen Gewächse zu konzentrieren. Man glaubt dort allmählich an das Ende der Cabernet– und Chardonnay-Euphorie und die Sehnsucht der Konsumenten nach Abwechslung auszumachen. Die Nachfrage nach autochthonen Sorten wächst beständig, und das Andersartige wird zum Vorteil.

Die erlaubten, empfohlenen oder einfach verwendeten Sorten zu verschneiden ist üblich, was eine endgültige Definition des Regionalcharakters wesentlich erschwert und keine Homogenität innerhalb einer Appellation aufkommen lässt. Das macht wiederum den Reiz oder die Unberechenbarkeit dieser Weine aus, die sich nur schwer fassen lassen und immer wieder Überraschungen bieten. Der Name des Erzeugers oder Händler-Abfüllers ist neben dem Jahrgang die relevanteste Information, die die oft üppig verzierten Etiketten zu bieten haben.

In Portugal existiert infolge der langen Isolation nur wenig Verständnis für bessere Weinqualität. Den Käufermassen war der Zugang zu ausländischem Wein verwehrt, und die besten aus eigenen Landen waren für den Export bestimmt. Der Marquês de Pombal unterschied bereits Mitte des 18. Jahrhundert devisenfreundlich zwischen guter Exportware und billigem Konsumwein für die Einheimischen. Das hat weder das Selbst– noch das Qualitätsbewusstsein gehoben, weshalb der Preis heute das stärkste Argument beim Einkauf darstellt.

Die Lethargie ist verständlich. Zu oft sind die versprochenen Verbesserungen vergessen gegangen. Die auf dem Papier existierenden Subregionen sind nicht realisiert, weil die einflussreichen Grosshändler kein Interesse an einer Umsetzung haben. Hochklassiger Alvarinho muss als „Vinho Verde“ deklariert werden, ein Begriff, der immer noch für mindere Qualität steht. Die galizischen Albariño-Erzeuger dagegen haben den Staat hinter sich, der ihre Degustationen im Ausland finanziert. Eine eigenen DO und das ausgezeichnete Marketing sind mitverantwortlich für den Erfolg des Albariño, der zu Spaniens teuersten Weissen gehört. Dem über die Grenze zuschauen zu müssen, ist bitter.

Im Ausland spricht die portugiesische Seele- „saudade“ heisst Sehnsucht. Es geht um die Heimat, die Emigranten wollen dasselbe trinken wie zu Hause. Weine werden aus den Dörfern importiert, die nichts mit Qualität, aber viel mit der Heimat zu tun haben. Die zweite Generation, besser integriert, spürt diese Bindung weniger und ist auch für andere Argumente offen. Portugal hat immer Menschen hervorgebracht, die sich nicht unterkriegen liessen. Wer guten Wein machen will, tut es, unabhängig in welcher Zeit.

Das Land war einst eine Weltmacht und ist auf dem besten Weg, immerhin beim Wein, wieder eine zu werden.

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VINHOS VQPRD (DOC)
 

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