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QUINTA DO CRASTO, DOURO

Den einwandfreien Beweis, dass die Luftlinie nichts mit der tatsächlich zu bewältigenden Distanz zu tun hat, erhält jeder, der im Douro mit dem Auto unterwegs ist.

Obwohl von Pinhão aus nicht sichtbar, liegt die Quinta do Crasto nur einige Kilometer flussabwärts über dem rechten Ufer. Von Pinhão stetig steigend, führt die schmale Strasse rund um die Ausläufer der steilen Hänge, windet sich durch enge Täler, um am anderen Ende nach einer scharfen Kurve zum nächsten Aufstieg anzusetzen.

Nach der zweihundersten Biegung melden sich leichte Zweifel ob der generellen Richtigkeit des Weges - nicht die der Ausschilderung, denn die ist wie so oft in Portugal, nicht vorhanden. Die Aussicht lohnt jede Mühe, obwohl die Strasse ungeteilte Aufmerksamkeit verlangt und zu hoffen ist, dass die brütende Sommerhitze allen Talbewohnern mit entgegengesetztem Fahrziel die Lust am Autofahren genommen hat.

Auf den geschotterten Ausstellplätzen lässt sich nachholen, was der Selbsterhaltungstrieb bisher verboten hat: den Blick auf den glitzernden Fluss und die schmalen, mit Mauern geschützten Rebenterrassen. Im Cima Corgo liegen die meisten der A-klassierten Quintas für die Portweinproduktion. Zu denen gehört auch die Quinta do Crasto, deren Haus und Kellerei hoch über dem Fluss auf einem vorgeschobenen Hügelkamm liegt, von dem sich ein einzigartiger Ausblick über das Tal öffnet.

Die Quinta verdankt ihre Klassierung unter anderem ihrer Lage zwischen 75 und 500 Meter ü.M., der südlichen Ausrichtung und dem Bestand alter Rebstöcke. Während der 80er Jahren wurde zwar in die Modernisierung der Rebberge investiert und neue Pflanzungen angelegt, die alten Reblagen, deren einzelne bis 70-jährig sind, blieben jedoch wohlweislich erhalten. Sie sind wie früher üblich, gemischtsortig bepflanzt, werden aber nach Lage gelesen und gekeltert. Auf diese Weise kann beim optimalen Reifegrad der Trauben, der durch Höhenunterschied, Mikroklima und Traubensorte wesentlich variert, gelesen werden. Bei der Modernisierung der Rebberge wurden mehrere Hektar mit Touriga Nacional bepflanzt, eine der besten Sorten unter den hunderten, die in Portugal bekannt sind.

Die neuen Pflanzungen sind reinsortig, auch hier werden die einzelnen Lagen und Sorten getrennt gelesen und verarbeitet. Neben Touriga Nacional wachsen Tinta Amarela, Tinta Roriz, Touriga Francesa, Tinta Barroca, Tinto Cão, Mourisco und Sousão, alles hochgeschätzte Sorten für die Produktion von Port und Tafelweinen.

Auf der Quinta do Crasto hat man den Rotwein erst vor kurzem entdeckt, denn wie auf den meisten Quintas in diesem Teil der Douro, genoss die Produktion von Portwein erste Priorität. Von dem wurde streng selektioniert, was unter dem Namen des Weingutes abgefüllt wurde: zwischen 1500 und 3000 Kisten von 15.000 wurden für den Crasto-Port zurückbehalten, der Rest an Händler verkauft. Die Palette der Quinta ist klein, aber exquisit. Ausser Vintage Port und Late Bottled Vintage gibt es keine Ports mit der Crasto-Etikette. Seit Anfang 1994 ist Cristiano van Zeller, einer der renommiertesten Weinmacher des Douro, für den Portwein der Quinta verantwortlich. Im gleich Jahr wurde in der neugebauten Kellerei aus 80 % Tinta Roriz und 20 % Touriga Francesa der erste Tinto Douro gekeltert. Für die Rotweine suchte man einen Önologen mit Erfahrungen im Douro. David Baverstock hat vorher hier gearbeitet, bevor er im Alentejo auf der Herdade do Esporão die Produktion in die Hand nahm. Heute pendelt er zwischen Norden und Süden, zwischen zwei Regionen die unterschiedlicher kaum sein könnten. Es ist ein anderes Arbeiten, das Alentejo berechenbarer als Douro.

Je nach Charakter werden die Weine für eine frühe Vermarktung bestimmt oder werden auf der Quinta in Fässern und Flaschen gelagert. Im Neubau stehen wie vormals Lagares, Becken in denen die Trauben mit den Füssen zertreten werden. Ungewöhnlich, aber sehr wirksam ist die Kombination mit Stahlrohren, in denen der Most gekühlt und somit eine kontrollierte Gärung ermöglicht wird. In den nichtergulierbaren Lagares gärt der Most bei zu hoher Temperatur, Qualitätseinbussen können die Folge sein: die Anlage vereint also in sich die Vorteile beider Methoden. Kleine Vergärungstanks aus rostfreiem Stahl und eine pneumatische Presse vervollständigen die Einrichtung, dazu kommt das Fasslager, wo für die Rotweine Barriques aus amerikanischer Eiche und 640 Liter fassende Fässer aus französischer Eiche bereitstehen.