PRODUZENTEN

  

J. P. Vinhos, Azeitão

Gegründet wurde die Firma 1922 als João Pires & Filhos, Lda, der neue Name J.P. Vinhos ist noch nicht sehr alt.

Seit ihrer Gründung prodzuziert sie Weine auf der Setúbal-Halbinsel südlich von Lissabon. Kürzlich ist die Firma von Pinhal Novo nach Azeitão umgezogen, wo sie jetzt unter einer riesigen Glaskuppe residiert, ganz in der Nähe von Fonseca, des grössten Abnehmers für Roséwein. Lancers gehört zu jenen Gewächsen, die nach dem zweiten Weltkrieg von der steigenden Nachfrage nach leichten, spritzigen Weinen profitiert hat. Lancers, in seiner typischen „Tonamphore“, hat in den Nachkriegsjahren den amerikanischen Markt im Sturm erobert.

J.P. Vinhos allein auf Rosé zu reduzieren wäre ungerecht, auch wenn der Anstoss zu Besserem von aussen gekommen ist. 1974 besuchte der australische Weinmacher Peter Bright Portugal. Die Vielzahl der Traubensorten und ihre Qualitäten offerierten ein so weites Experimentierfeld, dass er blieb und hier zu arbeiten begann. Die Verbindung einheimischer Sorten mit importierten wie Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot bot sich an.

Dem kam die sich in amerikanischen Besitz befindliche Quinta da Bacalhôa entgegen, auf der Mitte der siebziger Jahre Cabernet Sauvignon und Merlot gepflanzt worden sind. Seit Beginn der achtziger Jahre ist der „Quinta da Bacalhôa“ auf dem Markt, ein Verschnitt aus 90 % Cabernet Sauvignon und 10 % Merlot, der in neuen Eichenfässern ausgebaut wird.

Am Anfang, als sich die Firma noch auf die Produktion von einfacheren, im Fass verschobenen Weine konzentrierte, besass sie kaum eigenen Reben. Die meisten Weine wurden aus zugekauften Trauben aus der Region Palmela und Umgebung gekeltert. 

Ende der siebziger Jahre kaufte António Avillez den Betrieb und wurde damit zur treibenden Kraft der Firma. Unter seiner Führung wurden 200 ha Reben gepflanzt und die Kellerei modernisiert. Ziel ist, das Schwergewicht der Produktion auf Markenweine zu verlegen, auf selbstabgefüllte Weine. 

Das auch noch, nachdem sich António Avillez Ende der neunziger Jahre aus dem Geschäft zurückgezogen hat.

Einen „modernen“ oder „internationalen“ Stil hat J.P. Vinhos auch nach dem Wegzug von Peter Bright beibehalten. „Ma Partilha“ steht ebenso für Merlot wie der „Cova da Ursa“ für Chardonnay. Cova da Ursa, die Reben wachsen in einer „Bärenhöhle“ genannten Reblage, ist ein in neuen Eichenfässern vergorener und ausgebauter Vinho Regional, der mit seinem butterig-röstigen Aroma mehr auf der modernen Linie liegt und zu Portugals besten Chardonnays gezählt wird.

Portugal hat sich nur behutsam mit den internationalen Sorten eingelassen. Man vertraut lieber den einheimischen Trauben und von denen hat es reichlich. Chardonnay wächst in einzelnen Lagen im Bairrada, Oeste und auf der Setúbal-Halbinsel, wo sie in der Appellation Arrábida sogar zu den erlaubten Sorten gehört. Auch die Cabernet Sauvignon ist wenig verbreitet, man findet sie vereinzelt im Bairrada,und im Alentejo, wo sie in einigen Appellationen zugelassen sind. Ebenfalls erlaubt ist die Cabernet in Arrábida und Palmela. Merlot wird hauptsächlich auf der Setúbal-Halbinsel angepflanzt und im Bairrada läuft ein äusserst vielversprechender Versuch.

J.P. Vinhos‘ Standort in der Nähe von Setúbal verpflichtet. Die Firma erzeugt auch Moscatels de Setúbal, eine Spezialität, für die die Region seit Jahrhunderten bekannt ist. Zusammen mit J.M. da Fonseca besitzt J.P. Vinhos fast das Monopol für diese schweren, süssen Muskateller, deren Gärung mit Branntwein unterbrochen wird. Im Hauptkeller von Azeitão werden die Weine der Region Setúbal hergestellt, die Firma engagiert sich jedoch über diese Appellationen hinaus. Ein Beispiel ist der Tinto da Anfora, ein typischer Wein aus dem Alentejo im Südosten des Landes.

Die breite Produktepalette enthält auch Schaumweine, sie kommen von der Quinta dos Loridos in der Nähe von Bombarral. Dort wird aus Periquita und Fernão Pires mit der „método clássico“, der „méthode champenoise“, ein Espumante gewonnen, den Loridos Bruto oder den Jahrgangs-Espumante. Im Augenblick beweist der Jahrgang 1992 die Lagerfähigkeit dieser Weine. Die erhalten sie in den neuen Eichenfässern, in denen der stille Weisswein vor der Zweitgärung in der Flasche ruht.

Mit dem J.P. Branco ist dem Unternehmen zu Beginn der 80er Jahre die Kreation eines trockenen Weissweines aus früh gepflückten und kühl vergorenen Muskatellertrauben gelungen.